logoblogg.de • Elektrische Zigarette 

Mittwoch, 30.03.2011

Schreibfrust

Ich, Luisa, stehe am Fenster. Ich strecke meinen Arm hinaus. Nur meinen Arm. Nicht mehr. Meinen Rest verstecke ich im Vorhang. Er ist schwer. Und kalt. Und braun mit bunten Vögeln. Paradiesvögel. Mit langen Federschwänzen.

Ich halte meinen Arm aus dem Fenster, spüre den Regen darauf prasseln. Dicke Tropfen. Ich schnuppere. Die Nase im Vorhang. Zwischen den Paradiesvögeln. Sie riechen nach Tabak. Alter kalter Rauch. Schwarzer Tabak. Rote Hand.

Mein Arm wird schwer. Ich schlucke. Halte ihn fest ausgestreckt. Noch zwei Minuten. Schnuppern.

Tabakvögel. Langsam sinkt mein Arm. Meine Hand liegt draußen auf der Fensterbasnk. Kalter Stein. Regen stropft in die Hand.

Hinter dem Vorhang. Ich beginne zu schwitzen. Wie lange kann ein Mensch stillstehen? Die Hand auf der Fensterbank, die Nase im Vogel-Tabak-Vorhang.

Warum sollte ein Mensch überhaupt stillstehen? Wenn er keinen Schaden hat.

Ich habe einen Schaden. Bin ein Knickei. In meiner Haut ist ein unsichtbarer Sprung. Ganz zart. Aber silbern spürbar.

Mein alter Arm hängt. Seine Hand ruht auf der Fensterbank. Regentropfen umspülen ihn. Mein alter Arm ist alt vom Schreiben. Wenn ich nicht am Fenster stehe, lasse ich ihn wirres Zeugs schreiben, dass keiner lesen will. Nicht einmal ich selber. Sobald es mein alter Arm geschrieben hat, vergesse ich es.

Manchmal, ganz manchmal, schleiche ich mich nachts zu meinem Schreibtisch. Mit einer Taschenlampe. Dann lese ich in ihrem schwachen Schein, was der alte Arm geschrieben hat.

Wirres Zeugs, denke ich, weine stumm vor mich hin. Mein alter Arm zuckt dann, als wolle er sagen:

"Hätte ich dir sagen können, als du es mich schreiben ließest."

Mein junger Arm schlenkert dann hin und her. Ist voller Tatendrang. Morgen schreibe ich mit dem jungen Arm, denke ich. Vielleicht Kindergeschichten. Geschichten mit Anfang und Ende. Geschichten zum Lachen und zum Weinen. Völlig wirres-Zeug-los.

Langsam öffne ich den Vogel.Tabak-Vorhang. Gucke auf meinen nassen alten Arm. Ganz ruhig liegt er da. Auf der offenen Handfläche sitzt eine kleine Blaumeise. Sie hält den Kopf schief. Zwitschert mir ins Gesicht.

copywrite susann bernsau 

Donnerstag, 17.03.2011

Bratzenfratzen

Ich schreibe , schreibe, schreibe. Es klappt heute überhaupt nicht.

Ich denke an Willi, seinen Geburtstag, die Geschichte, die ich ihm geschrieben habe.

Denke daran, was wir alles für seinen Geburtstag geplant haben, schließlich ist es ein runder. Mein Kopf routiert. was muss ich noch alles planen, besorgen, proben....

Und Willi sitzt mir gegenüber. Strahlt. Weil wir eine Geburtstagswoche feiern. Und, wenn er nicht strahlt, klopft er in die Tasten seines Laptops. was schreibt er da nur so ununterbrochen? Und mir fällt wieder mal garnichts ein!

Bei Willi sprudeln die Ideen. Bei mir ist Ebbe.

Ich könnte zum Beispiel darüber schreiben, dass gestern Rosenmontag war. das mir deshalb ein wenig schlecht ist. Und, dass Willi eine Bratzenfratze gemacht hat, weil er Karneval nicht leiden kann.

Dabei war ich so schön! So schön in meinem nachtblauen Sari. Funkelnd bestickt, wie ein Sternfeld. So schön, dass mich die anderen Frauen angebratzt haben. In der Warteschlange. Auf dem Klo! Wie damals in der Disco! Nur, dass sie jetzt zwischen 55 und 75 sind. Hört das denn nie auf?

Bratzenfratzen! Was für ein schönes Wort! Bratzenfartze. Eine Fratze zum Bratzen! Eine Fratze, die bratzt. Ich bratze dir gleich eins! In die Fratze du Bratze! Freiheit für alle Fratzen! Aber nur für die ohne Bratze! Eine Bratze kommt selten allein.

Hier ist eine bratzenfreie Zone! Und morgen schreibe ich dann richtig! Wrnn ich endlich meinen Kopf frei habe. Frei von den ewigen Alltagsgeschichten, die eh jeder kennt. Das falsche Kleid zur falschen Zeit. Der unglücklichall. Die übellaunige Nachbarin. Die fette Tante mit den feuchen Lippen. Hinterhausmusik und Katzenjammer. Schnee Ende April und Sonnenschein im Januar. Treppenstufen mit Konfetti. Sprudelflaschen mit grünem Glibber.Und Unomuk im Urlaub. 

Das ist alles nicht einmal Stoff für eine schlechte Geschichte. Das ist garkeine Geschichte.

Ich sitze hier und schreibe und schreibe. Nur, weil Luisa Wald denkt, dass sie eine Autorin ist. Dies Fratzenbratze!

Ich schreie:

"Fratzenbratze!"

Willi guckt hoch, lächelt mich an.

Vorne bewegt sich ein mann ganz in Weiß.

"Kommen die mich jetzt holen?2, frage ich Willi.

"Warum?"

"Weil ich nicht normal bin. Weil ich mich in mehrere Personen

 spalte. Luisa, Hans, susi, Nane..."

Willi zuckt mit den Schultern:

"Was heißt denn schon normal!", sagt er, "Es gibt gemeingefährlich. Die soll man einsperren! Alles andere ist normal."

Der Mann in Weiß ist verschwunden. Ich liebe Willi!

P.S. Wer mir helfen möchte, kann mir Titel für Geschichten schreiben. Ich verspreche mir Mühe zu geben!

copywrite Susann Bernsau

Donnerstag, 03.03.2011

Zen des Schreibens

Ich schreibe. Ich schreibe.Ich schreibe.

Zen des Schreibens. Sa sitzen. Atmen. Schreiben.

Gedanken fließen im Atemfluß. Ohne Umweg aus meinem Hirn mit blauer Tinte auf weißes Papier.

Ich schreibe. Von nun an immerdar.

Oder aber mindestens sechs Wochen lang jeden Tag. Weil es sechs Wochen braucht, bis Verhaltensveränderung ins Kleinmhirn sinkt. Bis daraus langsam Gewohnheit wird.

Ich schreibe. Bin ganz Schreiben. Und wer ist diese andere Luisa, die, die da um mich herum schleicht und mich beobachtet? Beim Schreiben. Zum Glück ist es Anna. Nicht Nora, die Kritische!

Ich bin viele. Und eine ist Anna. Und Anna setzt sich mir gegenüber an den Tisch und beobachtete mich.

Denkt, da sitzt eine und schreibt. Anna runzelt die Stirn, sagt:

"Du schreibst. Wort für Wort. Satz für Satz. Einen Haufen Unsinn. So, als würde ein Kind Schreiben spielen!"

Ich glaube sie ist doch Nora, die Kritische. Aber ich gucke nicht hoch. Ich schreibe. Zen des Schreibens. Metitation, sich jetzt nur nicht ablenken lassen. Und keines falls mit mir selber diskutieren!

Ich schreibe: Sinn, Unsinn, Sinn, Unsinn, Sinn, Unsinn unendlich oft. Würde es gerne unendlich oft schreiben. Schreibe solange bis weder Sinn noch Unsinn einen Sinn haben. Bis sie sich beide im Absurden umarmen.

Welcher Sinn macht Unsinn? Welchen Unsinn macht Sinn? Ich schreibe, schreibe, schreibe.

Inder Hoffnung irgendwann einmal zwischen Sinn und Unsinn ein Thema zu finden, das mich packt! Ich schreibe.............

Donnerstag, 24.02.2011

Zehn Sätze über Willi

Schreiben ist Schreiben. Mehr nicht. Ich fülle weiße Blätter mit blauer Tinte. Ich schreibe und schreibe, warte, dass etwas passiert. Ich schreibe und schreibe, vertraue darauf,  dass aus dem über das Papiergleiten Zen wird. Zen des Schreibens. Dass zwischen den Zeilen etwas auftaucht.

Ich schreibe, weil ich schreibe, es gibt keinen anderen Grund. 

Meine Hand bewegt  sich über das Papier, Zeile für Zeile.

Ich schreibe, denke an nichts.

Und plötzlich steht er da. Taucht aus dem Nichts auf. Steht da und guckt mich an.

Willi mit den Karrierten Pantoffeln. Oder, besser geschrieben:

Willi in karrierten Pantoffeln. Immer in Pantoffeln.

Steht da strahlt mich braungrün an - brennende Augen!- und sagt:

"Schreibe zehn Sätze über mich!"

Also gut, weil ich eh nichts besseres zu schreiben habe:

Zehn Sätze über Willi!

Willi ist der wahrscheinlich beste Willi, den ich kenne!

Nein, Willi ist der beste alte Mann, den ich kenne!

Nein, Willi ist der beste Mann im besten Alter, den ich kenne!

Nein, Willi ist Willi und deshalb der Beste.

Willi liest, was ich schreibe. Grinst.

"Na, das sind ja schon mal vier Sätze!", meint er.

"Nein, das sind mindetsens sechs, weil du muss den, wo ich schreibe, das du liest, was ich schreibe, mit zählen. Und den darüber, was du dazu sagtst. Und das jetzt auch..."

Willi grinst weiter. Setzt sich neben mich.

"Und jetzt schreibe darüber, wie ich dich aus der Baugrube gezogen habe!"

"Aber Willi, das geht doch nicht!"

"Warum denn nicht?"

"Ich kann doch nicht schreiben, dass ich strunzbetrunken war. Weil ich total unglücklich in den bekloppten Peter verliebt war"

"Aber das stimmt doch!"

"Ja schon, aber das ist mir zu persönlich!"

"Dann nimm einen anderen Namen!"

"Wie?"

"Na, du heißt vielleicht Luisa. Luisa Wald. Und ich Willi. Und dass Peter bekloppt ist, weiß eh jeder. Außer du vielleicht!" Er klopft mir auf die Schulter.

"Komm, schreib schon!"

"Du hast leicht reden. Du bist ja auch der Held in der Geschichte."

"Ehrlich?"

Ja, ehrlich. Willi ist mein Held. Im Leben. Jeden Tag.

Ich deute auf mein Heft. Das sind jetzt schon weit mehr als zehn Sätze! Fast eine Kurzgeschichte.

"Ich habe bald Geburtstag!", sagt Willi. "Über ene Geschichte zum Geburtstag würde ich mich schon freuen!"

"Mal sehen, Willi!"

"Einen Titel hast du ja schon!" Ich blicke ihn fragend an. Er nimmt mir den Stift aus der Hand, zieht meinen Block zu sich heran, unterstreicht etwas, schiebt  den Block zurück.

Ich lese:

Zehn Sätze über Willi

Dienstag, 15.02.2011

Nichts, was man schreiben könnte

Donnerstag, 05.08.2010

Die perfekte Geschichte

Anna sitzt auf der Bettkannte. Ihre Augen sind schwer, müde. Brennen.

Kaffee, denkt sie. Und: Phantasie allein schafft keine Wirklichkeit! Sie steht auf, schreibt den Satz in ihren schwarzen Moleskine.

 Ein Lehrsatz auf einer neuen Seite. Ich sollte jeden Tag mit einem solchen beginnen. Sie blinzelt ihen Satz an.

„Leersatz!“, knurrt sie ihn an, streicht ihn durch, schlägt den Moleskine zu. Guckt zum Laptop, zum Moleskine. Guckt hin und her. Weiß nicht, schreibt sie heute mit dem Laptop oder in das schwarze ledergebundene Buch.

„Ist doch eh egal! Mir fällt sowieso nichts ein!“

Sie legt sich zurück auf das Bett, starrt an die Decke.

Da hatte ich einen perfekten ersten Satz (Robert zog langsam die Hose aus…)! Und nichts ist mir eingefallen. Manchmal reicht Phantasie nicht aus, da braucht es erlebte Wirklichkeit! Anna schließt die Augen, rollt sich auf der Seite zusammen. Würde gerne den Daumen in den Mund stecken, lässt es. Dann schon lieber rauchen! Sie steht auf, zieht sich an, verlässt das Haus. Ziellos rennt sie durch die Straßen.

„Ich bin auf der Suche nach einer Geschichte!“  Ihr Blick ist zum Pflaster gesenkt. Immer wieder murmelt sie den Satz vor sich hin.

„Eine perfekte Geschichte!“

An einer Straßenecke stößt sie mit einer Frau zusammen.

„Oh Entschuldigung! Ich habe Sie nicht gesehen!“

„Wie könnten Sie auch, Kindchen! WennSie nur auf den Boden gucken, müssen Sie sich nicht wundern, wenn Sie nichts sehen!“ Eine ältere Frau lächelt Anna an.

Anna versucht zurück zu lächeln.

„Sie haben ja ein indisches Kleid an!“

„Ja…“ Anna betrachtet die Frau. Etwas komisch sieht sie aus. Klein, drahtig, kunterbunt bekleidet. Auf dem Kopf einen roten Hut mit einer lila Blume.

„Ich war schon achtzehn Mal in Indien!“

 Sagt die Frau stolz.

„Ja wo denn?“ Anna weiß nicht, ob sie das wissen will.

„Also erst in Kerala. Da war ich in einem Ashram . Da habe ich meinen Mann kennen gelernt. Einen Inder. Der ist jetzt schon sieben Jahre tot. Leider. Wir waren auch in Mumbai. Da hat er gearbeitet. Bei einer Internetfirma. Im Callcenter.“

Anna tritt hin und her, will weiter, weiß nicht wohin. Sie stehen nahe an einem Fußgängerüberweg. Menschen gehen vorbei, werfen prüfende Blicke auf die bunte Frau. Und auf Anna.

Sie fährt mit den Händen durch die Haare. Denkt, ich habe mich heute nicht gekämmt.

„Ich muss, äh, ich will…“

„Ich will Sie gar nicht aufhalten. Aber ich dachte, Sie interessieren sich vielleicht für Indien. Ich meine wegen dem Kleid. Weil ich Indien so liebe. Ich war auch am Ganges. Möchte noch nach Kalkutta. Mal sehen, wissen Sie, so ganz gesund bin ich nicht mehr. Ich habe Altersdiabetis. Allerdings gut eingestellt. Woher haben sie das indische Kleid?“

„Eine Freundin hat es mir aus Indien mitgebracht.“

„Ach, wo war denn die?“

„In Delhi. Mit ihrem Mann. Ich glaube ziemlich lang.“

„Und, hat es ihr gefallen?“

Anna zuckt mit den Schultern. Warum zucke ich eigentlich ständig mit den Schultern, denkt sie.

„Weiß nicht. Doch bestimmt. Die wollen da wieder hin. Haben lauter indischen Kram in der Wohnung.“

„Und Sie, wollen Sie auch mal da hin?“

„ Ja, irgendwie schon. Irgendwann. Ich muss jetzt, wollte nur zum Bäcker.“

„Ich will Sie auch nicht aufhalten. Einen schönen Tag. Und alles Gute für Sie. Und für die Freundin!“

„Ja. Für Sie auch!“ Anna dreht sich um, geht zum Fußgängerüberweg, drückt ungeduldig den Ampelknopf. Vorsichtig dreht sie sich um, die alte Frau winkt.

Gerade als Anna losgehen will, tippt sie ihr auf die Schulter.

„Eine Frage noch.“

Anna dreht sich zur Frau.

„Ja, bitte?“, sagt sie freundlich. Denkt, warum gehe ich nicht einfach.

„Haben Sie Angst vor kreativem Chaos?“

Anna blickt fragend der Frau ins Gesicht.

„Also ich bin nämlich ein Messi. Das habe ich von meiner Mutter. Die hat immer alles verwahrt. Hat gesagt, dass wir alles vielleicht noch einmal brauchen können. Dass uns die Sachen doch kein Brot wegessen. Fürchten Sie Chaos?“

„Nein, ich bin selber nicht ordentlich“, Anna denkt an ihr ungemachtes Bett, denkt, ich suche doch eigentlich eine Geschichte. Ich will schreiben!

„Also dann, wenn Sie wollen, wenn Sie sich für Indien interessieren, kommen Sie mich mal besuchen. Ich wohne da drüben.“ Sie zeigt auf ein weißes Hochhaus.

 „Sehen Sie der dritte Balkon von links in der sechsten Reihe von unten. Ist der einzige indische Name am Klingelschild…“

„Mal sehen…Ich muss jetzt wirklich…Bis bald… Schönen Tag.!“

Anna läuft den Weg zurück nach Hause,  hört die Alte noch schreien:

„Kommen Sie mich besuchen, ich habe auch Depressionen, ich erzähle Ihnen von Indien…“

Sie rennt die Treppen zu ihrer Wohnung, schlägt die Türe hinter sich zu, setzt sich an den Schreibtisch, greift ein leeres Blatt aus dem Drucker und beginnt atemlos zu schreiben:

Langsam zog Robert seine Hose aus….

Luisa Wald immer auf der Suche nach dem einen Plot… der einen Idee.. der einen Heldin, die auf Reise geht….

copywrite susann bernsau

Mittwoch, 04.08.2010

Was ist Wirklichkeit


Anna sitzt am Schreibtisch, kaut auf ihrem Bleistift. Auf dem Boden liegz die Tageszeitung. Anna hat sie durchblättert, nach einer Kaninchenausstellung gesucht. Da gab es den Artikel über diese Ausstellung. Aber war sie wirklich da? Im Schlafanzug?

Egal, dachte sie. Du musst nur das richtige Gesicht zu machen, dann kannst du mit allem in die Oper oder ins Bett gehen. Oder in eine Kaninchenausstellung.

Schließlich habe ich darüber geschrieben, ich war da! Anna  ging zum Altpapier, suchte die Zzeitung von Samstag heraus.  Sie fand die Ankündigung der Ausstellung. Ging zum Fenster. Blickte fragned hinaus.

In dem Bericht vom Montag stand nichts von  irgendeinem Zwischenfall. Von einem  befreiten Hasen. „Es sind Kaninchen!“,  rief Anna laut aus dem Fenster.

 Eine Nachbarin guckte irritiert nach oben. Anna schloss das Fenster, setzte sich an den Schreibtisch, legte die Stirn auf die Tischplatte.

 Ich werde verrückt. Schreiben tut mir nicht gut. Ich kann nicht mehr zwischen Phantasie und Wirklichkeit unterscheiden.

Was ist schon Wirklichkeit wie in einer Komiksprechblase erschien der Satz im Raum.

Sie öffnete den Laptop,  begann zu schreiben.

Wenn ich schreibe,  lebe ich. Was ich schreibe,  erlebe ich. .

Es kribbelte in ihren Fingern. Sie sah den empörten Blick ihres Vaters vor sich, als er ihre Badeanstaltgeschichte gelesen hatte

„War das wirklich so schlimm im Schwimmbad mit mir?“,  hatte der alte Mann unter Tränen gefragt

„Nein Papa;“, hatte Anna geantwortet.

„ Warum schreibst du es denn dann?“

„Das ist nur ausgedacht!“

„ So was kann man sich nicht ausdenken.“

Doch nur ausgedacht, nein, trotzdem so erlebt.

 Anna liest, was sie damals geschrieben hat.

Riecht das Chlor. Hört den Krach. Friert eine Gänsehaut. Reibt sich rote Augen.  Ich hasse Badeanstalten, murmelt sie.

 Denkt an die vielen bahnen, die sie wöchentlich schwimmt, sie genießt die schwerelose Bewegung. Beides ist war,  denkt sie. Erlebt, erschrieben.

 Exzess murmelt sie ich will einen Exzess erleben.

Sie öffnet eine neue Datei.

Robert öffnet langsam seine Hose…

 Schreibt sie, schließt die Augen, lässt sich zurücksinken

 

 

Luisa Wald

( Badeanstaltgeschichte siehe: Es leben die negativen Vorsätze, Eintrag vom 23.9.2006)

 

Copywrite susann bernsau

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Dienstag, 03.08.2010

Kaninchen oder Hase


Nach dem ganzen Geschreibe über mich und meinen perfektem Plan, melde ich mich heute selber zu Wort. Es ist Sonntag. Ein Sonntag braucht keinen Plan, nur einen abgedrehten Ausflug. 

Sagen wir mal ich mache mir eigentlich nichts aus Kaninchen. Nicht in Rotweinsoße oder so. Das einzige Mal, wo ich so ein Tier gegessen habe ist mir fast schlecht geworden, wobei ich nicht weiß, lag es an der Köchin oder daran, dass ich ständig einen Osterhasen vor mir sah.

Und nun sitzt schon wieder so ein Hase vor mir und guckt mich an. Genauer gesagt er macht Männchen, wenn er überhaupt ein Männchen ist und kein Weibchen. Was man von außen, also vor dem Käfig nicht sehen kann. Er scheint mir etwas zuzuflüstern oder zu zumümmeln.

Hey, was ist hier eigentlich los? Bin ich Alice im Wunderland oder Anna, die sich zu einem Besuch bei einer Kaninchenzüchterausstellung hat überreden lassen? Wobei natürlich die Kaninchen   in den Käfigen sitzen und ausgestellt werden, die Züchter laufen frei herum.  Was auch skurril genug ist.

Und alles riecht so komisch. Ob ihr es glaubt oder nicht, während ich das hier schreibe, habe ich diesen Geruch von Heu und etwas  nicht ganz Sauberem  in der Nase…

Obwohl die alle ganz propper aussehen. Oder aussehen sollen. Wir , Robert und ich – ob der wohl auch ein potentieller Kaninchenzüchter ist? Warum ruft er mich sonst am Sonntagmorgen an und fragt, ob ich mit ihm in diese Gartensiedlung kommen will. Das kann nicht nur am Sommerloch liegen! Sicher zeigt er mir gleich nach dieser Show irgendwo am Waldesrand seinen Garten mit nachgebautem Minischwarzwaldhaus. Und darin findet dann mein Exzess statt. Mir wird ganz komisch, ein wenig schwindelig oder kommt das von dem Heugeruch?

Gut, bevor Allen von dem Hin- und  Hergespringe schwindelig wird, zurück zum Osterhasen.

Es ist Sonntag am frühen Nachmittag. Ich stehe Aug in Aug mit einem Hasen.  Und der redet  mit mir.

„Hey hol mich hier raus!“ Er dreht und wendet sich, zeigt mir seinen wildbraunen Körper. Stellt die schwarzen Ohren schief.

„Wie bitte?“

„Öffne die Türe! Lass mich laufen. Ich bin der Osterhase. Du hast es in der Hand, soll es nie wieder versteckte Eier geben?“

„Und die anderen?“, frage ich ihn stumm.

Er guckt mich mit seinen sanften Augen an. Lässt die Lider zwei-, dreimal klimpern.

„Hey, du bist meine Kleine. Was mit den anderen ist, entscheidet sich später.“

Ich stehe zwischen dreistöckig gestapelten Kaninchenställen,  rede mit einem Hasen!

Das sind deine Nerven, versuche ich mich zu beruhigen. Du hast ein schlechtes Gewissen, weil du seinen Großvater aufgegessen hast. Oder Teile von ihm.

„Hey, was ist nun?“, reißt mich der Hase aus meinen Gedanken. „Magst du Ostern oder nicht?“

Dann ging alles schnell. Ich öffnete das Gitter, der Hase sprang heraus, lief einen kurzen Kreis unter den Käfigen her, schlug zwei drei Haken und verschwand durch die offene Türe.

Die anwesenden Kaninchenzüchter, blickten  von ihrem Bier auf, schauten mich fragend an. Ich zuckte mit den Schultern.

„Entschuldigung. Ist wegen Ostern.“

Ich flitzte hinter dem Hasen her. Sah ihn in einem der gepflegten Kleingarten verschwinden.

Ich sprang über die kleine Mauer, wollte mit ihm reden, er grinste, winkte mit einer Pfote, dann war er verschwunden.

„Hey Sie, was machen Sie denn da in dem Garten?“ Eine Frau drei Gärten weiter funkelte böse.

„Kaninchenausstellung!“, murmelte ich.

„Wie bitte?“ schrie sie.

„Kaninchenausstellung!“, rief ich zurück.

„Die ist doch im Vereinshaus!“ Sie schüttelte den Kopf.

Langsam ging ich zurück, spähte vorsichtig durch die offene  Türe. Die Züchter saßen ruhig da. Einer verteilte Bierbrezel und Gummibärchen. Robert war verschwunden. Ich ging nach Hause, setzte mich an den Schreibtisch, begann zu schreiben.

Hatte der Hase wirklich gesprochen? Wieso war da ein Hase unter den Kaninchen? Wo war Robert geblieben? Saß der allein in seinem Schwarzwaldhaus? Ich guckte an mir herab, sah, was ich an hatte. Hatte ich wirklich das Haus verlassen? Und, gibt es überhaupt Kaninchenausstellungen? Übereinandergestapelte Käfige?  Mitten im Sommer mit Tannenzweigen verziert? Darin sitzen sie, grau, weiß, braun, mit Steh- oder Schlappohren. Mümmeln und mümmeln. Gucken dich aus großen braunen Augen an. Manche ganz traurig. Weil auf ihren Bewertungskärtchen, das außen am Käfig hängt, nicht "Sehr gut!" steht. Sondern: Etwas faltige Ohren! Befriedigend! Oder: Schiefe Blume! Befriedigend!  Enge Penisspitze! Ungenügend!    Und sie mümmeln und mümmeln. Kann es so etwas geben? Und, wenn ja, warum dann nicht auch den Osterhasen?

An dieser Stelle der Überlegungen breche ich ab, lege mich ins Bett. Es ist schließlich noch früh, an diesem Sonntag. Vielleicht ruft ja Robert an und bringt etwas Licht in die Sache.

Bis dann, morgen werde ich den Plan einhalten, ihr werdet sehen, Eure Anna, ich finde noch meinen Exzess. Mir ist ein wenig schwindelig, kommt vielleicht von dem Grasgeruch....

copywrite susann bernsau

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Dienstag, 20.07.2010

Tag Zwei

Donnerstag, 15.07.2010

Der perfekte Plan












Ein ganz normaler Tag im Leben einer Autorin, nennen wir sie Anna....


Anna hatte einen perfekten Plan. Sie
hatte morgens im Bett gesessen, Kaffee getrunken und den Tag geplant. Hatte
meditiert, Gymnastik gemacht und geduscht. Hatte etwa tausend Wörter geschrieben, um der von ihr gesetzten
Regel 1000 Wörter pro Tag gerecht zu werden. Das war vielleicht der einfachste
Teil des ganzen. Sie suchte einen Satz, irgendeinen Satz, machte Musik an und
schrieb drauflos, voll Verwunderung, woher all die Wörter kamen. Wie sie sich
unter ihren Fingern, ohne, dass sie nachdachte zu merkwürdigen Menschen und
Geschichten formten. Dann, nach einer Stunde, speicherte sie ab, ging hinaus,
mit dem Hund spazieren.


Es war Mai, aber draußen empfing sie
ein kalter Novemberregen.



 „Wir haben allenfalls Februar, Struppi!“, sagte sie, schüttelte
sich. Gegenüber stand ihr Auto. Kurz entschlossen zog sie den Hund dorthin,
stieg mit ihm ein und fuhr an den Rand des Hundeauslaufgebiets. Sie ließ den
Hund hinaus, er lief schnüffelnd zwischen den Bäumen hin und her. Sie selber blieb
im warmen Auto, hörte Radio.



Laut dem perfekten Plan sollte sie
jetzt etwa eine Stunde mit dem Hund draußen herlaufen und über ihre
Romanfiguren nachsinnen. Sie lebendig neben sich herlaufen lassen, lebhafte
Gespräche mit ihnen führen.



Auf dem Rücksitz lag ihre Kladde für
das Schreiben unterwegs. Darin der Anfang für ihren Beitrag zum
Stadtwettbewerb.



Sie sah den Hund den Abhang hinauf
laufen, er untersucht einen Baum, hob sein Bein pinkelte. Dann guckte er, ob
Anna aus dem Auto kommt. Sie drehte das Radio lauter, hörte einen alten
Schlager. Der Hund schüttelte sich, rannte den Abhang wieder hinunter,
verschwand im einem Busch, um sein großes Geschäft zu erledigen.



Anna griff zur Zeitung auf dem
Nebensitz, las den Lokalteil auf der Suche nach Inspiration. Der Hund lief um
das Auto herum, auch er schien genug vom Regen zu haben. Anna öffnete die Türe,
er sprang hinein.



Sie fuhren  in ein Drive-In, Anna
bestellte Kaffee und eine Apfeltasche. Sie fuhr ein Stück, parkte, trank den
Kaffee, aß den Kuchen, dachte an ihren perfekten Plan. Ich bin
Schriftstellerin, sagte sie leise vor sich hin. Immer wieder, solange bis die
Wörter ihren Sinn verloren. Sie warf den leeren Becher in den Fußraum. Ich
fahre einfach weiter, lass mich von dem, was ich sehe anregen. Viel gab es
nicht zu sehen, es regnete stark, Menschen, wenn sie überhaupt draußen waren,
hasteten unter Schirmen schnell vorbei.



Die Tankanzeige blinkte. Ich sollte
nach Hause fahren, mich an den Schreibtisch setzen, schreiben. Ich bin Autorin,
sagte sich Anna nun, in der Hoffnung Autorin würde sich nach mehreren
Wiederholungen nicht so leer wie Schriftstellerin anhören. Ich bin 54 Jahre
alt, habe drei abgebrochene Studiengänge, diverse Fortbildungen.
Wenn das mit dem Schreiben nichts wird, weil ich es nicht kann, was dann? Soll
ich mich als Frührentnerin kulturell oder sozial betätigen. Oder einfach nur
noch zum Vergnügen leben.



Hallo, was machen Sie denn? Ich bin
Vergnügerin! Und davon kann man leben? Davon nicht, aber damit gut! Anna fuhr
eine Tankstelle an. Vielleicht bin ich ja länger unterwegs. Der perfekte Plan
sah vor, dass sie bis 14.00 Uhr unterwegs sein sollte. Allerdings nach dem
Spazieren mit dem Hund hätte sie irgendwo auf einen Kaffee einkehren sollen, um
dann dort zu schreiben. Den Kaffee habe ich ja getrunken. Anna hängte den
Zapfhahn wieder ein, ging in den Shop, um zu bezahlen. Vor den Zeitungen blieb
sie stehen, blätterte unentschlossen darin herum, wählte eine
Frauenzeitschrift, eine Wirtschaftszeitschrift und ein Pferdemagazin. Obwohl
sie nichts mit Pferden zu tun hatte. Früher wäre sie gerne geritten, tat es
ein, zweimal im Urlaub. Sie strich die Haare hinter die Ohren, spürte den Wind
vom Meer darin. Irgendwo ein Pferd haben. Das wäre gut. Überhaupt. Irgendwo auf
dem Land zu leben. In aller Ruhe, mit vielen Tieren. Ohne Ablenkung, da würde
sie endlich schreiben können. Würde es endlich schaffen, das Buch, das fertig
in ihrem Kopf wohnte mit der nötigen Disziplin auf Papier zu bringen.



Sie lächelte den Tankstellenpächter an.
Auf der Theke stand ein Glasbehälter mit heißen Würstchen. Anna spürte, dass es
bald Mittag ist, uns, dass sie außer der Apfeltasche noch nichts gegessen
hatte. Nichts essen wollte. Schließlich hatte heute morgen die Waage die
unsägliche Schalmauer von 55,5 kg gezeigt. Dies schien nicht viel, aber Anna
war klein. Und eitel und wollte wieder dünner werden. Sie blickte an den
Würstchen vorbei, zahlte Benzin und Zeitungen. Überlegte für einen Augenblick,
ob sie statt der Würstchen Zigaretten kaufen sollte.



Etwas mehr Exzess muss in mein Leben!
Sie ging zum Auto.



In ihre blaue Kladde schrieb sie:



Ich bin Autorin, ich brauche den
Exzess. Ich will leben, dass es kracht! Ich schneide mir meine Haare stoppelig,
ich rauche, trinke, ich ficke mit wem ich will.



Ihr Blick fiel auf den Tankwart, der am
Eingang der Waschanlage stand. Mit dem will ich nicht. Ich muss mir einen
anderen suchen.



Ziellos fuhr sie durch den Regen, gab
mehr Gas als notwendig, fuhren Schlangenlinien, um Pfützen spritzen zu lassen.



Der Hunger kam zurück, sie steuerte,
Fritten und Burger im Sinn, ein zweites Drive-In an. Kaum betrachtete sie die
riesige Speisekarte war sie nicht mehr hungrig. Trotzdem wählte sie ein Menu
mit Burger, Fritten und Cola. Der Regen wehte durch das Fenster ins Auto, ihr
ins Gesicht, während sie auf ihre Bestellung wartete. Sie spürte es nicht.



Wieder blieb sie mit dem Auto am
Straßenrand stehen, begann zu essen, zu trinken, beobachtete die wenigen
Menschen.



Mir geht es gut, ich sitze im Warmen. Ich habe ein
Auto, ich habe Essen und Trinken. Und ich habe einen perfekten Plan. Ich bin
Schreiberin!



Und manchmal bin ich Anna, meist Luisa, aber immer Susann



copywrite: Susann Bernsau
 
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