Montag, 30.11.2009
Agoraphobiastica
Heute bin ich sehr stolz, dass meine Kurzgeschichte, Das liebe Kind, in der Anthologie Agoraphobiastica im Chaotic Revelry Verlag in Köln erschienen ist.
Nora Thälich heißt jetzt Luisa Wald
Dienstag, 29.05.2007
Indisch Essen üben
Im Herbst dieses Jahres wird mein Schatzi eine längere Zeit beruflich nach Indien reisen. Wenn alles so klappt, wie wir es uns vorstellen, werde ich ihn begleiten.
Da kam mir letzte Woche ein Werbeprospekt eines indischen Lokals gerade recht. Indisch essen im bergischen Land! Wenn wir da nun, sagen wir mal, einmal pro Monat hingehen, dann waren wir bis Oktober - dem geplanten Abflugtermin - fünfmal da.
Also, scharf zum Üben, ein bißchen schärfer, noch schärfer, am schärfesten und dan, als Prüfung so zu sagen: indisch scharf So eingestimmt werden wir alles Essen problemlos verdauen und nicht, wie ein Kollege meines Schatzi acht Kilo leichter nach Hause kommen- und das nicht wegen Durchfalls, sondern wegen der Schärfe! Obwohl das auch nicht schlecht wäre, das mit dem Abnehmen meine ich, aber das ist eine andere Geschichte!
Wir sitzen inzwischen gespannt in dem indischen Lokal, es riecht wunderbar, ob das Ambiente indisch ist, können wir nicht sagen. Die Musik klingt nach Bollywood und wir studieren die Speisekarten.
Hinter manchen Gerichten steht in Klammern scharf. Ob wir das wagen sollen? Schließlich sind wir Anfänger. Isabelle und ich zumindest, Frank wurde bereits von indischen Mitarbeitern zum Essen eingeladen.
Und, was sollen wir trinken? Wir entscheiden uns für Lassi, ein joghurtartiges Getränk, dessen Namen mir aus irgendeinem ayuverdischem Buch bekannt ist.
Frank nimmt direkt einen großen Lassi, da es es mit "scharf" probieren will.
Vorsichtig frage ich den Ober:
"Wie scharf ist scharf?"
"Scharf ist scharf!", sagt er. "Europäisch scharf, es gibt auch indisch scharf!"
Sieh mal einer an, unsere selbst erdachte Steigerung von Schärfe gibt es also wirklich! Ich entscheide mich für scharf, Frank für indisch scharf, einzig Isabelle bleibt dem Grundsatz des langsamen Eingewöhnens treu und nimmt normal .
Die Vorspeisen kommen und unsere Gaumen kommen gut klar. Aber die sind ja auch noch nicht scharf, geschweige denn indisch scharf. Einzig die Art und Weise des Essen verunsichert mich. Ich weiß, dass in Indien mit den Fingern gegessen wird, das heißt,das Essen wird mit kleinen Fladenbroten aufgenommen und zu Mund geführt. Meine in Kichererbsenteig gebackenen Auberginenscheiben esse ich problemlos mit der Hand. Aber was ist mit dem Salat auf dem Teller? Brotfladen gibt es zu meiner Vorspeise nicht. Soll ich den Salat einfach mit den Fingern essen? Würde mir nichts ausmachen, aber vielleicht haben die mein Besteck einfach vergessen und ich werde mal wieder von allen blöd angeguckt, wenn ich mit der Hand im Salat hänge. Frank hat schließlich auch einen Löffel zur Suppe bekommen.
"In Indien gibt es bestimmt keinen Salat!"
"Ja gut, aber was mache ich mit dem auf meinem Teller?" Ich dippe die Gurkenscheiben in die scharfe Soße.
Frank klärt das Ganze, indem er eine Gabel bestellt. Zum Glück auf deutsch und nicht auf indisch, wer weiß, was ich sonst bekommen hätte. Aber auch das ist eine andere, eine italienische Geschichte.
"Guck, mal die am Nebentisch!" , flüstert Isabelle. "Welche Scharfstufe die wohl gewählt habem?"
Neben uns sitzen vier Menschen mit roten Flecken im Gesicht. Ich werde ein wenig unruhig und selbst mein Schatzi sagt:
"Ein bißchen Sorge habe ich ja schon!"
Das Essen kommt. Reis und drei kleine Schälchen in unterschiedlichen Rot und Gelbtönen.
Der Ober fragt, wer was bestellt hat und teilt uns die Schälchen zu.
Ich probiere, mein Mund brennt.
"Huch", hauche ich, "gut, dass ich nicht indisch scharf habe!"
"Och geht doch gut!" Frank ist stolz auf seinen bereits indisch eingestimmten Gaumen.
"Sag mal, ist das hier Fleisch?" Isabelle beäugt kritisch, was sie als Vegetariererin aufgeschnitten hat.
Wir stellen fest, das es eine reihrum Vertauschung gegeben hat.
Nachdem Frank sein mildes Curry an Isabelle abgegeben und ich mein europäisch scharfes von ihr bekommen habe, brennt sein indisch scharfes Essen auch meinem Mann mehr im Mund.
Trotzdem stellen wir fest, dass er bereits nach einem Versuch zumindest ernährungstechnisch der indientauglichste von uns ist. Auf dem Nachhauseweg brennt Isabelle und mir der Bauch. Ob das angenehm ist, weiß ich noch nicht so recht. Frank ist stolz, ihn brennt nichts.
Aber auch er stellt fest, dass die Entscheidung, Lassi zu trinken gut war. Ahlkohl zum Essen wären für unsere Verdauung zu viel gewesen.
Erstaunlicher Weise auch Wasser. Zu Hause trinke ich ein Glas Wasser und fache das Brennen im Bauch noch mehr an! Nachts träume ich bunte Träume von einem fernen Land, in dem ich noch nie war. Das Brennen im Bauch wird immer mehr zu einem leichten Brennen in anderen Regieonen. Nein, ich meine nicht tiefere Regionen der Verdauung, langsam beginnt eine kleine Sehnsucht in mir zu brennen, eine Ahnung von Fernweh...
Noramanie, es brennt noch immer
copywrite susann bernsau
Freitag, 27.04.2007
Straßenmusik
Die Sonne scheint, es ist heiß, ich trinke Eiskaffee und lasse die Seele beumeln. Beobachte die Menschen, das Leben um mich herum und lese Zeitung. Entspannung pur.
Bis sich ,wie aus dem Nichts, direkt neben mich ein Musikant mit Gitarre positioniert. Ich habe nichts gegen Musik, im Gegenteil! Aber so ganz ohne Ankündigung, so ganz leise neben mich geglichen und dann so laut , so direkt in mein Ohr, so ungefragt, so unbestellt, so unerwünscht und vor allem:
So unschön. Eher so wie damals Isabelle als neunjährige mit ihrem Saxophon, die nur wenige Unterrichtsstunden hatte und dann in der Fußgängerzone, aber das ist eine andere Geschichte...
Aber jetzt direkt neben mir, also, wirklich eher laut und Krach, als Genuss. Ich versuche mich weiter auf Zeitung, Menschen, Entspannung zu konzentrieren, das geht nicht. Ich lasse Musik an mir vorbei rauschen, hoffe auf das Ende, das ja meist nach zwei , drei Lieder kommt.
Dann wird mir der kleine Spendenteller unter die Nase gehalten und irgendetwas von "für die Musik " genuschelt.
"Welche Musik?" , frage ich. Komme kurz in das moralische Dilemma für eine immerhin geleistete Dienstleistung zu zahlen oder als stieselig zu gelten.
Ich habe die Musik nicht bestellt, ich gucke tiefer in meine Zeitung.
Kaum gefühlte zehn Minuten später - warum um Himmels willen stellen die sich immer direkt neben meine Ohren? - bläst eine Klarinette neben mir. Mein anerzogene Höflichkeit hindert mich, mir die Ohren zuzuhalten.
Weiter zehn Minuten später, ein Mann mit Bandoneon. Ich wappne mich mit Abwehr, blicke eisig. Doch kaum erklingen die ersten Töne, hat mich der Klang der Musik gefangen. Ich schmelze, höre zu, lasse die Gedanken schweifen, schaue den Menschen zu, genieße Entspannung und Musik.
Es geht also auch anders, es gibt auch gute Cafemusik! Diesmal ignoriere ich den Teller nicht.
Eine halbe Stunde später sitzt mein Schatzi neben mir, wir unterhalten uns angeregt über den Tag, über dies und das.
Mitten im Satz, wie aus einer Box gesprungen, beginnt neben uns ein alles übertreffendes Getöse:
Ein Mann im wilden Stilmix aus spanischem, brasilianischen und mexikanischem Folklore schlägt quälend auf eine Gitarre, schreit dazu spanische Broken, wie Amore, mucho, signore...und ,woher auch immer er das gleichzeitig her holt, klappert er Kastanetten dazu.
Die Krönung der schlechten Musik, nein des Kraches an diesem Tag!
"Ich glaube, das ist ein akustischer Überfall. Wir sollten ihn bezahlen, dass er aufhört!" , schreie ich meinen Schatzi an.
"Was hast du gesagt?" , schreit dieser zurück, "ich kann dich nicht verstehen, ich glaube, mir ist gerade mein rechtes Rommelfell geplatzt!"
Nora Tählich, bereits mit Ohrenstöpsel für den heutigen Cafebesuch ausgerüstet.
copywrite susann bernsau
Montag, 23.04.2007
Nächtlicher Besuch
Eigentlich bin ich eine begnadete Schläferin. Das ist ein Geschgenk Gottes, dass ich jede Nacht auf`s Neue genieße. Ich lege mich abends ins Bett, lasse den Tag an mir vorbei ziehen, komme meistens gedanklich so bis fünf Uhr am Nachmittag, dann bin ich schlaftechnisch verschwunden.
Ich verfolge erstaunt, erfreut, verängstigt, je nachdem , meinem eigenen inneren Film, im Traumkino. Immer wieder erstaunt es mich, was es da so zu sehen gibt, nicht unbedingt oskarverdächtig, unterhaltsam auf alle Fälle.
In den letzten Nächten wurde ich dabei allerdings des öfteren unterbrochen.Und das kam so:
Zur Zeit schreibe ich das letzte Kapitel meines Romanes Zahlenmagie. Wie man spätestens seit Sofies Welt weiß, entwickeln Romanfiguren ein Eigenleben. Meine Hauptfigur ist weiblich und ziemlich schräg drauf. Nennen wir sie hier und heute einfach Nina.
Nina jedenfalls steht mitten in der Nacht plötzlich neben mir am Bett und schüttelt mich.
"Hey, was soll das, warum schüttelst du mich?"
"Weil ich bereits dreimal versucht habe , dich durch lautes Rufen zu wecken."
Mein neben mir im Bett schlafender Schatzi grunzt zustimmend.
"Psst! Weck ihn nicht auf!" , schnautze ich Nina an.
"Und überhaupt, was willst du denn hier mitten in der Nacht?"
"Du hast etwas vergessen!"
"Was habe ich vergessen?"
"Im letzten Kapitel soll ich doch umziehen. Jedenfalls meinst du das, eigentlich gefällt mir meine Wohnung ja ganz gut, aber du bist ja die Autorin! Nun, wer soll den ganzen Umzug machen, ich bin doch schwanger!"
Vorwurfsvoll zeigt Nina auf ihren dicken Bauch, den ich ihr angedichtet habe.
"Freu dich lieber, es ist schön Mutter zu sein!"
"Das werden wir im zweiten Teil sehen! Ich will wissen, wer den Umzug macht!"
Sie läßt nicht locker, geht durch mein Zimmer, nimmt Bücher vom Regel, liest in meinem Goethe.
"So hättest du mal schreiben sollen, das klingt gut,!"
Sie liest laut irgendetwas vor. Ich bin viel zu müde, etwas zu erkennen, stehe aber auf, an Schlaf ist nicht mehr zu denken, nehme ihr das Buch aus der Hand und sage:
"So eine wie du hätte in keinem Goethe Platz gefunden, du bist viel zu , zu , zu..."
"Na sag schon, du findest mich verrückt. Ich bin sowieso der Meinung, dass..."
Oh nein, bitte keine Dishussion über ihren Charakter mitten in der Nacht.
"Also den Umzug machen deine Mutter und Lars. Und der bringt ein paar Freunde mit!" unterbreche ich ihren Vorlesefluss.
"Ja spinnst du denn! Was ist, wenn sie das Bild abhängen? Sollen dann alle sehen, was da steht und über mich herziehen? Das ist bestimmt nicht gut für meine Mutterrolle und meine Ehe mit Lars.
Aber ich weiß sowieso noch nicht, ob ich auf dem Standesamt "Ja!" sage!"
"Das wirst du!" zische ich, "Das verspreche ich dir als deine Autorin!"
Das mit dem Bild hatte ich wirklich vergessen, hatte doch jemand in einer von Ninas wilden Nächten üble Sachen an ihre Schlafzimmerwand geschmiert. Ich hatte einen Freund einfach ein Bild darüber hängen lassen. Das war im zweiten Kapitel und nun sind wir im siebten und letzten angekommen.
"Das bleibt einfach stehen!"
"Nix da! Du setzt dich jetzt sofaort an deine Maschine und änderst das!"
Nina zieht mich zum Schreibtisch.
"Nina, ich bitte dich, lass mich erst eine Nacht darüber schlafen!"
"Nein, sofort!"
"Wenn du so weiter machst, gibt es keinen zweiten Teil!"
"Das glaubst du doch selber nicht! Außerdem sind wir bereits mitten drin! Was sind deine Kolumnen denn anderes! Du weißt selbst, dass ich garnicht Nina, sondern Nora heiße und bereits selbst Autorin bin!"
Hier wird mir dann alles viel zu kompliziert, ich gebe klein bei und schreibe den Umzug so, wie Nina ihn mir jetzt zu diktieren beginnt. Ich kann ja morgen, wenn Nina schläft - sie schläft immer tagsüber! - alles wieder ändern! Wäre doch gelacht, ich habe sie mir doch schließlich nur ausgedacht, oder?
Nora Tählich, alias Susann
copywrite susann bernsau
Dienstag, 03.04.2007
Ausstellungseröffnung
Manchmal ist es schon erstaunlich, dass ein Mensch zugleich sehr geschickt und zugleich total ungeschickt sein kann. Ich erzählte bereits davon, dass unsere Tochter Isabella die Neigung hat, Dinge unfreiwillig zu schrotten.
Darüber hinaus gibt es immer wieder nette Gelegenheiten, sie bei kleinen Pannen zu erleben.
Diesmal ist es eien Vernisage zu ihrer ersten Ausstellung. Wir, ganz stolze Eltern, sind natürlich da. Zumal wir selber Objekt ihrer Fotokunst sind. Sehr leicht bekleidet hängen wir nun in 80 mal 70 an der Wand, die Mitstudenten begrüßen uns alle ganz vertraut, da sie uns bereits kennen - von den Fotos. Wir sind da im Nachteil, sehen wir sie doch anläßlich der Eröffnung zum ersten Mal und noch dazu völlig bekleidet.
Ich blicke zu meinem fast lebensgroßen Porträt, das mich in türkisser Unterwäsche zeigt und sage:
"Heute habe ich viel schönere Unterwäsche an!"
Kaum habe ich das gesagt, fällt mein Blick auf einen roten Slipp, der mitten im Raum liegt.
"Oh, guckt mal, wie passend, da hat jemand seine Unterhose verloren. Die sieht ganz aus,...."
Ich verkneife mir den Rest: "wie dein Bikinihöschen, Isabelle", sehe ich doch unsere Tochter erröten, so dass ihr keine Chance bleibt, als zu zugeben, dass es wirklich ihre ist. Schnell stopft sie sie in ihre Hosentasche.
"Wieso liegt denn deine Unterwäsche mitten im Raum?" , raunt Michel seiner Freundin zu.
"Weiß ich auch nicht, eben hatte ich sie noch an!"
"Wie, hast du jetzt keine Unterhose mehr an?"
"Nee, ich habe sie doch gerade in die Tasche gesteckt!"
"Ja, und warum lag sie auf dem Boden?"
"Die muss mir aus dem Hosenbein gefallen sein!"
"Du bist hier durch den Raum gegangen und läßt deinen Slip aus dem Hosenbein fallen?"
Isabelle beginnt schallend zu lachen.
"Doch nicht mit Absicht! Das ist ein Bikinihöschen, das auf beiden Seiten mit einem Kördelchen zusammen gebunden wird. Ich habe wohl auf einer Seite vergessen, es zu zubinden. Und dann ist es bei Gehen zu einer Seite verrutscht und am Bein nach unten gefallen."
"Und das hast du nicht gemerkt?"
"Blöde Frage, sonst hätte die Hose wohl kaum da gelegen!"
"War sie denn wenigstens sauber?" , mische ich mich in das Gespräch ein, in Erinnerung einer anderen Unterhosengeschichte, mich und die Hutablage des Autos meiner Mutter betreffend.
"Ich glaube schon!" , Isabelle zieht sie wieder aus der Tasche, hält sie hoch und dreht sich damit im Kreis.
"Ja,ja,ja. Es war meine! Ich habe mitten im Raum meinen Slip verloren! Gibt es noch jemanden, der es noch nicht weiß?"
Frank, mein Liebster, guckt auf die Porträts unserer Tochter, die Menschen in Unterwäsche zeigen.
"Und es ist doch auch schöne Unterwäsche!", sagt er vieldeutig.
Nora Tählich, alias Susann
copywrite susann bernsau
Montag, 29.01.2007
Frank muss früh aufstehen
Mein armer Schatzi - ich finde ihn da zumindest arm, er selber sieht das anders - muss jeden Morgen sehr früh aufstehen, so um viertel nach fünf.
Aus dem Haus geht er dann etwa zwei Stunden später, er braucht halt morgens viel Zeit, zum Beispiel, um sich zu besinnen, wie er heißt. Wenn ich so mitten in der Nacht aufstehen würde, müßte ich das auch, nun ja.
Manchmal, wenn wir abends lange auf waren, ist es auch für ihn nicht leicht, aus dem Bett zu kommen. Wenn er dann noch einen wichtigen Termin hat, ist es meine Aufgabe, ihn aus dem Bett zu werfen, unter allen Umständen. Das hat schon mal dazu geführt, dass sich selber vor lauter Rangelei um fünf hellwach war, aber das ist eine andere Geschichte.
Neulich sollte ich ihn auch wecken. Der Wecker klingelt, er stellt ihn, noch im Schlaf aus. Ich rüttel ihn, einmal, zweimal, dreimal. Beim vieren Mal und meiner laut ausgesprochenen Drohung, dass, wenn er jetzt nicht aufsteht, mir das auch egal sei, ich wolle nämlich weiter schlafen, steht er auf.
Damit er sich nach dem Aufsetzen nicht wieder heimlich hinlegen kann, mache ich mich sofort breit im Bett und nehme quer den ganzen Platz ein.
Zwei Stunden später finde ich ihn friedlich schlafend am Fußende zusammen gerollt. Seinen Termin hat er so natürlich verpaßt.
Dies durfte diesmal auf keinen Fall geschehen!
"Was auch passiert, morgen muss du mich auf jeden Fall aus dem Bett werfen!"
Wir waren tanzen, deshalb lagen wir erst so um ein Uhr im Bett.
Ich schlief ein, mir meiner wichtigen Aufgabe sehr bewußt. Der Wecker klingelt! Ich schrecke hoch, rüttel und schüttele meinen Liebsten, stupse ihn hinaus und lege mich von oben nach unten quer ins Bett, dass er auf keinen Fall mehr Platz findet. Zur Sicherheit lege ich mich noch auf seine Decke, dass er nicht mehr darunter kriechen kann.
Ich höre ihn noch murmeln:
"Ich habe das Gefühl, ich sei gerade erst eingeschlafen!"
Dann schleicht er in die Küche und beginnt sein Morgenritual.
1. Eine Zeit im Dunkeln auf dem Sofa sitzen und nachdenken.
2. Eine Zeit im Dunkeln auf dem Sofa stzen und nachdenken.
3.Eins und zwei wiederholen.
4. Im Dunkeln den ersten Kaffee kochen und einen Becher trinken.
Dann macht er wie immer das Licht an, um sich mit etwas Koffein im Blut an das Licht des Tages zu gewöhnnen. Heute erblickt er dabei auf der Küchenuhr eine komische Zeit: zwei Uhr. Mist, die ist wohl stehen geblieben.
Er macht das Radio an, während er den zweiten Kaffee trinkt.
"...und nun die Nachrichten um zwei Uhr..."
Die Uhr hat recht, es ist erst zwei Uhr! Der Gedanke, ich bin gerade erst eingeschlafen, war nicht falsch! Falsch, war die Frau, die ihn gerüttelt, geschüttelt, gestubst hat!
Diese Geadanken sowie der langsam wirkende Kaffee machen ihn immer munterer. Trotzdem will er zurück ins Bett.
Dort findet er eine Frau im Tiefschlaf vor, die weder Platz noch Decken rausrücken will....
Nora Tählich, alias Susann
copywrite susann bernsau
Donnerstag, 18.01.2007
Entencasting
Langsam wird es ernst, dass heißt wir müssen uns verkleiden, den es wird Karneval. Wie immer wollen wir als als Gruppe von fünf Freunden - ( wäre auch eine gute Möglichkeit, sich zu verkleiden, nur, wer geht als Hund?) - Weiberfasnacht feiern. Und als Gruppe mottomäßig verkleidet sein.
"Du hast doch im Zirkusfundus diesen riesen Stoffdrachen mit fünf Köpfen!"
"Ja , das ist Klasse - alle in einem Kostüm!"
"Ich will aber vorne sein!"
"Und ich auf keinen Fall hinten, da sehe ich nichts! Und außerdem wirke ich von vorne besser als von hinten!"
"Das ist im Drachenkostüm egal und außerdem kommen wir damit in keine Kneipe, die muss noch nicht mal voll sein! Auf wen willst du überhaupt wirken!?"
"Drache ist nichts - höchstens fünf Einzeldrachen!"
"Wir können uns ja Drachenköpfe aus Pappmache`machen!"
"Ne, mir reicht der Ritterhelm vom letzten Jahr - der hat vielleicht gedrückt !"
"Weiß doch jeder, dass Pappmache`beim Trocknen schrumpft!"
"Wie wär es denn mit Märchen?"
"Ich will Schneewittchen sein!"
"Mit den vier Zwergen? Und die anderen haben gerade Urlaub?"
"Da gibt es doch irgendein Märchen mit einer Ente, an der alle hängen!"
"Dann will ich die Ente sein!"
"Kommt drauf an!"
"Worauf?"
"Na wer am besten watscheln kann, wir machen ein Entencasting!"
Mittlerweile ist der Kuchen aufgegessen, der Kaffee getrunken und wir verlassen das Museumscafe in dem wir sitzen. Kommen in die große, leere Halle. Ich vorne weg, hinter mir mein Schatzi und die anderen.
Ich gebe nun mein Bestes, um das Entencasting zu gewinnen. Watschele was das Zeug hält und wackele mit meinem Po.
"Und? Sieht doch ganz gut aus! Oder?"
"Es sieht ausgezeichnet aus!", sagt mein Schatzi und :
"Oder, was meinen Sie?"
"Das gefällt mir sehr gut!", höre ich eine mir völlig fremde Männerstimme hinter mir sagen. Ich drehe mich um, schaue einem mir ebenso fremden Mann ins grinsende Gesicht.
Kein Wunder, bin ich doch gerade vor ihm her durch die ganze Halle gewackelt, ihn für einen der Freunde haltend.
Schnell verstecke ich mich in den Armen meines Schatzis.
"Ich glaube, wir sollten lieber was anders machen. Matrosen, Matrosen fände ich zum Beispiel gut. Ich bin das rosa Bärchen und du Käptain Blaubär!"
Nora Tählich, immer noch ohne Kostüm
copywrite susann bernsau
Sonntag, 14.01.2007
Nix muss !
Jede Familie hat ja so ihre Besonderheiten. Bei uns kommt es darauf an, zur rechten Zeit "Nix muss!" zu rufen. Auch wenn man gar nicht weiß, worum es geht. Auch, wenn man gar nicht im Zimmer ist. Vielleicht sogar, wenn man gar nicht in der Wohnung ist...
Immer dann, wenn es unangenehm ist. Wenn zum Beispiel der alte Hund ins Badezimmer gepinkelt hat, wenn eine Katze kotzt, wenn das Klo verstopft ist, bei vielen kleinen unangenehmen Tätigkeiten des Alltags.
Irgeneiner sagt : Wir müssen noch , wir müssen mal, wir müssen jetzt.... , schließt irgendeine Tätigkeit an und meint als handellnde Person mit dem Wir ganz bestimmt nicht sich selbst.
"Nix muss!" zu rufen ist dann schnell angesagt, denn den oder die Letzte beißen die Hunde oder wollen mit der Person Gassi gehen.
Hunde rausführen ist eine beliebte Nix - Muss - Aktion, vor allem bei Regen:
Jemand blickt zur Uhr: "Oh, ich glaube die Hunde müssen mal wieder raus!" Das verstehen unsere Vierbeiner. Steigen von ihrem Lager auf und blicken erwartungsfroh in Menschengesichter. Hören mehrmals den besagten Ausruf und wenden sich, das Ganze gut kennend an den, der zuletzt gerufen hat. Der nimmt zähneknirschend Leine und Regenschirm.
Und das ist oftmals Markus. Als letzter zur Familie gestoßen, ist zu langsam, verstand oft garnicht, warum alle so aufgeregt riefen.
So zum Beispiel, als Frank in der Küche sagt:
"Oh, der Mülleimer ist voll!"
Ronja und ich aus einem Mund :"Nix muss!", Frank schließt sich dem an. Isabelle liegt in der Wanne, weiß nichts von Frank und Müll, hört uns nur schreien und ruft ins Blaue hinein: "Auch nix muss!"
Markus guckt von einem zur anderen:
"Was, was ist denn los!"
"Schatzi, du musst den Müll runter bringen!"
"Wieso das denn?"
"Du hast das Zauberwort nicht gerufen!" Ronja klärt ihn lächend auf und er schleppt brummelnd den Eimer runter.
Nachdem ihm das mehrmals passiert ist, rief er oft, kaum dass er durch die Tür war: "Nix muss!"
"Das gilt nicht! Du kannst das nicht präventiv rufen!"
"Ja aber, sonst bin ich doch immer der Letzte der ruft"
"Du musst halt üben!", sagte ich zu ihm.
Na gut. Er übt. Heute treffen Frank und ich Ronja und Markus auf dem Weg zum Cafe im kleinen Park.
"Wo wollt ihr denn hin?" , fragt uns Ronja.
"Wir müssen..."
"Nix muss !" ruft Markus laut dazwischen.
Wir gucken ihn fragend an.
"Er hat "müssen" gesagt!"
"..das Auto bei Jörg und Jürgen abholen!", beendet Frank seinen Satz.
"und müssen..."
"Nix muss!" Staunende Blicke.
"Sie hat "müssen "gesagt!"
"..bei meinen Eltern vorbei.", fahre ich fort.
"Ach, ich brauche den Koffer mit den Verkleidungssachen vom Speicher!" Ronja fügt ein leises Nix-Muss an.
"Nix muss!" "Nix muss!" , rufen Frank und ich hinterher.
"Wie ? Was ? Du hast `brauchen`gesagt!"
"Schatzi, das zählt trotzdem, und so schwer ist der Koffer auch garnicht! Aber nimm dich in Acht , auf dem Speicher ist...." , aber das ist eine andere Geschichte.
Nora Tählich, alias Susann
copywrite susann bernsau
Freitag, 05.01.2007
Frisörbesuch
Es war mal wieder soweit, immer , wenn ich in den Spiegel guckte, war ich mir nicht mehr sicher : Sind meine Haare zu lang? Zu wild ? Zu viel? Zu lockig?
Meine Fragen , dies betreffend, ergaben innerhalb der Familie nicht so rechte Auskunft.
?Wieso sieht doch klasse aus!? , Frank ist da nicht wirklich zu trauen , denkt er bei Frisur doch gleich auch daran, was ein neuer Haarschnitt bei mir kostet.
?Ist in Ordnung!?, was interessieren gerade erwachsene Töchter die Frisuren ihrer Mütter, es sei denn sie machen ihnen schnittmäßig Konkurrenz, aber das ist eine andere Geschichte.
Die Unsicherheit blieb, die Haare wuchsen. Bis, ja bis ich mich spontan entschied zum Zehn-Euro-Frisör zu gehen.
Und das war ein Erlebnis, das ich nicht missen aber auch kein zweites Mal erleben möchte.
Warten musste ich überhaupt nicht, ein Pluspunkt. Aber vielleicht hätte mich die Leere im Laden auch stutzig machen sollen....
Zum Waschen wurde mein Kopf sehr unsanft nach hinten in ein Becken gedrückt.
?Haben Sie die Haare selber getönt??, oh, die Frisöse kann sprechen, bis hierhin ging alles ohne Guten Tag und Sie wünschen, nur mit Handzeichen.
?Getönt!?
?Und welche Farbe sollte das werden??
Nun ja, noch kann ich den Laden verlassen. Zu spät, kaltes Wasser läuft über meinen Kopf. Gut, irgendwie müssen die ja sparen..
Ich stelle mir Ronja vor, die eine Frage nach der selbstgetönten Haarfarbe so empört hätte, dass sie sofort aufgestanden wäre, beim Rausrennen den Kittel noch schnell in die Ecke geworfen....
Ich bin geduldiger, schließlich war Haaresschneiden noch nie so billig.
Mit ziemlich nassen Haaren, ohne frottiert zu sein, sitze ich nun vorm dem Spiegel , gucke mich an, und sehe ziemlich blöd aus. Finde ich zumindest. Aber wer sieht in diesem entsetzlichen kalten Neonlicht, in entsprechend kalter Umgebung schon gut aus? Es ist schon ziemlich hässlich hier, aber Schönheit kostet halt.
?Wie soll`s denn sein??
?Etwa zwei bis drei Zentimeter in der Länge ab und ...?
?Drei Zentimeter!!???, ich werde entsetzt angeschaut.
Ist das jetzt zuviel Arbeit für zehn Euro oder denkt sie, dass das nicht aussieht bei mir? Ich kann das nicht klären.
?Na zwei reichen auch und dann fransig durch gestuft, dass die Locken besser fallen!?
?Locken? Sie haben doch gar keine Locken!?
?Na jetzt nicht, jetzt sind die Haare klitschnass!?
?Eben auch nicht! Oder haben sie glattgefönt!?
?Ne , im Auto hatte ich aber noch Locken, wenigsten im Spiegel, vielleicht ist es ja ein Zerrspiegel. Oder ich habe meine Locken auf der Straße verloren!?
Sie sagt nichts, fängt an zu schneiden. Hinterher sind die Haare mindestens vier Zentimeter kürzer. Was das jetzt wohl zu bedeuten hat?
?Ist die Länge so richtig??
?Hmh. Schon!?
?Zum Glück, jetzt sind sie ja schon abgeschnitten! Was ist mit dem Pony, das haben Sie wohl selbst geschnitten, das ist nicht zu retten...?
?Sie könnten es ja weg rasieren!?
Sie guckt mich, kaugummikauender Weise an, als käme ich aus der Klapse. Der Pony bleibt, wie er ist.
Ich föne selbst, bin schnell wieder draußen, der Schnitt ist o.k. Mein Blick fällt auf eine Reklametafel des Frisörs, zu dem ich sonst gehe. Sie zeigt eine Frau mit ziemlich verstoppelten Haaren und Pflastern am Ohr.
Darunter steht: Wir bringen Ihren Zehn-Euro-Schnitt wieder in Ordnung.
So schlimm ist es nicht, wie ich im Autorückspiegel sehe. Und die Naturlocken sind auch wieder da. Aber ,wie gesagt,vielleicht ist es ja ein Zerrspiegel.....
Nora Tählich mit ziemlich kurzen Haaren, alias Susann
Mittwoch, 03.01.2007
Sylvester bei Hüsers
Wir feiern. Bei meiner Schwester und ihrem Mann, mit allen Kindern und angebandelten Freunden. Mit viel Essen, viel Wein und Sekt und Knallerei, nicht zur Freude aller Anwesenden. Es ist schon schwierig, wenn sich in der gleichen Familie durch die Generationen hinweg sowohl Pyromanen als auch Knallphobiker befinden.
Überigens Knallerei, hier zeigt es sich wieder einmal, dass doch jedes Unglück auch einen kleinen Nutzen hat. Unser Hund Pauline mußte zwischen den Feiertagen an den Ohren operiert werden. Die sind nun so verbunden, dass sie nichts mehr hört. Was bei einem Hund mit Heidenangst vorm Knallen Klasse ist. Völlig ruhig guckt der Hund in das Feuerwerk.
Es zeigt sich aber auch, dass es Pechsträhnen gibt. Ein Unglück (Ohren - OP ) kommt selten allein. Morgens werde ich davon wach, dass Pauline unruhig vor unserer Zimmertür hin und her tappt. Mit dem Gefühl, ich habe ich doch gerade erst hingelegt, was stimmte, quäle ich mich aus dem Bett.
"Komm wir gehen runter, ich laß dich..." , meinen Satz kann ich nicht beenden, da poltert der arme alte Hund schon die etwa 25 Stufen der Holztreppe hinunter.
Sprachlos und unfähig irgendwie ein zu greifen, stehe ich da und gucke mir den Sturz an. Blitzschnell poltert die Hündin um die Kurve, es gibt einen Knall, sie ist gegen die Metalltonne mit diversen Sportartikeln , die bei meiner Schwester im Treppenhaus steht, geknallt.
Noch bevor ich irgendwie reagieren kann, läuft Isabelle, aus dem Schlaf gerissen an mir vorbei:
"Alle wach werden, sofort alle wach werden, Pauline ist die Treppe himunter gestürzt!"
Ihr lautes Rufen tönt durch das ganze Haus , und wirklich, bis auf Ronja, die immer wie im Koma schläft, werden alle wach und kommen ins Erdgeschoss.
"Wo ist der Hund denn?" , Frank reibt die Augen, blinzelt ins Lampenlicht.
"Sie ist weg! Sie ist weg!" , Isabelle wird panisch.
"Na sie kann ja nicht geplatzt sein, auch, wenn es schon ziemlich geknallt hat!"
"Paulinchen! Paulinchen!", ich weiß nicht, ob ich heulen soll oder doch lieber lachen, weil das alles irgendwie grotek ist.
Zwölf Menschen, die meisten im Halbschlaf suchen einen Hund.
Mein Schwager findet sie unter dem Tisch:
"Hier ist sie doch!"
Der Hund guckt uns mit seinem typischen lethargischen Blick an, versteht die Aufregung nicht. Was wollen die alle, warum gucken die mich so an, soll ich einen Trick machen? Und versucht es mal mit Sitz.
"Ja und was nutzt das jetzt, dass du uns alle geweckt hast? Selbst wenn etwas Schlimmes passiert wäre, hätte es doch gereicht, das Frank wach geworden wäre!" Isabelles Freund Michel guckt seine Freundin an, erwartet aber keine Antwort, sonder dreht sich um und geht schlafen.
Stimmt ja auch, nach und nach gehen wir alle zurück ins Bett. Meine Schwester gibt Frank noch eine Wolldecke, eigentlich für Pauline, dass sie es bequem hat und nicht nach Oben will.
"Was soll ich denn damit? Glaubt ihr vielleicht, ich schlafe den Rest der Nacht bei dem Hund?"
Es ist keiner mehr da, der ihm antworten kann. Er setzt sich auf das Sofa, legt die Decke um sich, guckt den Hund an. Der dreht sich rum und geht hinter den anderen die Treppe hoch, um sich oben in Franks Bett zu legen.
Nora Tählich, alias Susann